Kleiber Steckbrief

Kleiber-Steckbrief: Flinker Kopfüber-Kletterer

Der lebhafte Kleiber erfreut Vogelbeobachter als flinker Kletterer, der gerne auch einmal dabei beobachtet werden kann, an einem Baum kopfüber nach unten zu laufen. Dabei krallt er sich mit dem hinteren Fuß fest in die Baumrinde, während er den anderen einen Schritt nach vorne setzt. Diese Fähigkeit kann dem lebhaften Gesellen bisher noch kein anderer Vogel nachahmen. Selbst der Specht stützt sich am Baum auf den Schwanz auf und hüpft lediglich mit beiden Beinen gleichzeitig nach oben.

Haben Sie sich den Vogel mit der unverwechselbaren Farbe einmal in den Garten gelockt, dann können Sie ihn wahrscheinlich sein gesamtes Leben immer wieder begrüßen. Er ist nämlich außerdem für seine Standorttreue bekannt. Als Standvogel verbringt er sein gesamtes Leben in einem kleinen Umkreis. Dass einer von ihnen viele hundert Kilometer zurücklegt, ist daher sehr selten.

Unser Kleiber-Steckbrief zeigt, wie Sie den Vogel erkennen, ihm das richtige Kleiber-Futter und den passenden Nistkasten bieten.

Namensherkunft

Ursprünglich handelt es sich beim Namen des geschickten Vogels um die mittelhochdeutsche Bezeichnung für Handwerker, die Lehmwände herstellen. Er ist damit an das Wort “kleiben”, was so viel wie “kleben” bedeutet, angelehnt. Wieso wird gerade diese Bezeichnung für ihn verwendet? Das liegt vor allem daran, dass er die Bruthöhlen anderer Vögel wie die des Spechts übernimmt und für sich selbst beansprucht. Dabei klebt er das Einflugloch ganz einfach mit Lehm und Speichel zu, bis nur noch er hineinpasst. Auf diese Weise ist der neu gewonnene Kleiber-Nistplatz gleichzeitig vor diversen Feinden geschützt.

Der kleine Kletterer wird manchmal auch als Spechtmeise bezeichnet, da sein Verhalten und Aussehen sowohl an einen Specht, als auch an eine Meise erinnern.

Kleiber-Steckbrief

Wissenschaftlicher Name: Sitta europaea

Familie: Kleiber (Sittidae)

Weitere Namen: Sprechtmeise

Vorkommen: Europa, Nordwest-Afrika, Asien

Artbestand: ungefährdet

Lebenserwartung:  3 Jahre

Größe: 14cm

Gewicht: 23g

Paarungszeit: April – Juni

Brutzeit: April – Juni

Zugverhalten: Standvogel

Beobachtungszeit: ganzjährig

Nahrung: Insekten (Frühling / Sommer), Nüsse & Samen (Herbst / Winter)

Feinde: Klimawandel, Parasiten, Infektionskrankheiten, Pestizide, Insektizide, Katzen, Wiesel, größere Raubvögel

Gesang

Hier können Sie sich den Kleiber-Gesang anhören:

So locken Sie den Kleiber in den Garten

Auch wenn die Kleiber-Population derzeit ungefährdet ist, bleibt leider Realität, dass der Wildvogelbestand mehr und mehr zurückgeht und daher unsere Hilfe benötigt. Eine ausdrückliche Empfehlung des NABU lautet daher mittlerweile ganzjährig Vögel füttern.

Wollen Sie sich den Kleiber in den Garten locken, dann ist ein Vogelfutterhaus daher ein guter Anfang. Doch das ist noch längst nicht alles, was Sie tun können. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihren Garten gezielt Kleiber-freundlich machen. Auf diese Weise können Sie sich den Vogel zur Beobachtung in den Garten locken und gleichzeitig den Artenschutz unterstützen.

1. Kleiber-Futter anbieten

Ein Vogelfutterhaus unterstützt nicht nur den Kleiber, sondern lässt auch andere Wildvögel profitieren. Haben Sie in Ihrem Garten daher ausreichend Platz, dann sollten Sie zunächst einen Futterplatz einrichten. Der geschickte Vogel frisst in erster Linie Insekten, aber auch Nüsse und Samen. Das ausgelegte Vogelfutter sollte entsprechend dieser Präferenzen ausgewählt werden.

2. Vogeltränke für Kleiber aufstellen

Wo dem Kleiber Futter angeboten wird, da sollte auch Wasser nicht weit entfernt sein. Zusätzlich zum Vogelfutterhaus ist es daher eine gute Idee, auch eine Vogeltränke aufzustellen. Wird diese täglich ausgespült, dann kann der Gartenvogel dort Trinkwasser finden und mit einem erfrischenden Bad gleichzeitig sein Gefieder reinigen.

3. Kleiber-Nistkasten aufhängen

Mit einem Kleiber-Nistkasten profitieren Sie gleich von mehreren Vorteilen. Sie können die geschickten Vögel nicht nur kurzzeitig in Ihrem Garten beobachten, sondern bieten ihnen auch ein sicheres Zuhause an. Schließlich ist auch die Suche nach einem geeigneten Nistplatz für unsere Wildvögel heutzutage leider nicht mehr so einfach wie früher. Auch die Nisthilfe sollte allerdings gezielt für den Kleiber ausgewählt werden. Bei der Auswahl kommt es dabei vor allem auf das passende Einflugloch an.

Das richtige Kleiber-Futter

Der Kleiber ist ein Allesfresser, der sich sowohl von Weichfutter (aka Insekten) als auch von Körnerfutter (aka Sämereien) ernährt. In der warmen Jahreszeit konzentriert er sich dabei vor allem auf das Sammeln von Insekten wie Käfern. Sie pickt er geduldig aus den Ritzen der Baumrinde. In der kalten Jahreszeit stellt er sich auf die Ernährung von Nüssen und Sämereien um. Hier kann man ihn dabei beobachten, wie er geschäftig im heruntergefallenen Laub stochert.

Am Vogelfutterhaus kann man dem kleinen Vogel als Ersatz für Insekten Fettfutter wie Meisenknödel- oder Ringe anbieten. Diese sollten allerdings nicht in Netze verpackt sein, in denen sich die kleinen Vogelfüße zu leicht verfangen können. Auch Mehlwürmer werden Ihnen als Kleiber-Futter mit Sicherheit dankend abgenommen. Ein besonderer Leckerbissen sind außerdem in Öl getränkte Haferflocken. Sie können dem Wildvogel außerdem Nüsse und Sämereien anbieten. Hier eignen sich beispielsweise Erdnussbruch, Sonnenblumenkerne sowie energiehaltige Sämereien wie Hanf, Mohn oder Nijer.

Das angebotene Kleiber-Futter verspeist der geschickte Vogel genauso wie der Buntspecht am liebsten an einer Baumrinde. Auch ein Futterholz wird besonders gerne genutzt. Beide bieten sich in erster Linie für Fettfutter an.

Nahrung in der Natur:

  •  Insekten
  • Sämereien
  • Nüsse
  • Wasser

Kleiber-Futter am Vogelhaus:

  • Meisenknödel und -Ringe
  • Mehlwürmer
  • in Öl getränkte Haferflocken
  • Nüsse (z.B. Erdnussbruch)
  • Sonnenblumenkerne
  • Sämereien (z.B. Hanf, Mohn, Nijer)
  • Wasser (Vogeltränke)

 

Der passende Kleiber-Nistkasten

Der Kleiber zählt zu den Höhlenbrütern. Er sucht sich zum Nisten daher gezielt leerstehende Baumhöhlen oder verlassene Höhlen von Spechten aus. Haben diese einen unpassenden Eingang, dann wird er ganz einfach passend gemacht. Ist er zu klein, dann wird er mit dem Schnabel etwas größer gepickt. Ist er zu groß, dann klebt er ihn mit Lehm, Erde und Speichel zu, bis er genau die richtige Größe hat. Das bedeutet in diesem Fall, dass der Kleiber selbst gerade noch hineinschlüpfen kann, Fressfeinde aber draußen bleiben müssen. Der Kleber wird nämlich so fest, dass ihn andere Vögel nicht wegpicken können. Selbst Menschen fällt es normalerweise nicht leicht, ihn per Hand zu entfernen. Das Innere der Bruthöhle wird für die Jungvögel natürlich ebenfalls möglichst bequem gestaltet. Dazu wird sie mit Nistmaterial wie Federn, Gras, Haaren oder Rindenstücken ausgepolstert.

Wie viele unserer Gartenvögel hat leider auch der Kleiber mit einem stetig schrumpfenden Lebensraum zu kämpfen. Alte Bäume mit passenden Höhlen sind somit immer seltener zu finden. Es macht daher durchaus Sinn, ihn mit einem Kleiber-Nistkasten im Garten zu unterstützen. Auch bei ihm gilt allerdings: Nistkasten ist nicht gleich Nistkasten. Da es sich beim Kleiber um einen Höhlenbrüter handelt, benötigt er einen entsprechenden Höhlenbrüter-Nistkasten. Dieser ist rundum geschlossen und imitiert so eine natürliche Bruthöhle. Die einzige Öffnung sollte das Einflugloch in der Front sein. Die Einflugloch-Größe sollte 35mm betragen.

Tipp: Seien Sie darauf gefasst, dass der geschickte Vogel auch die Nisthilfe mit seinem eigenhändig hergestellten Kleber verzieren wird. Dabei kann es schon einmal passieren, dass auch das Innere verklebt wird und der Kleiber-Nistkasten schwerer zu öffnen ist.

Nistplatz in der Natur:

  • Baumhöhlen
  • Alte Spechtnester
  • Höhe: 3 – 20 Meter

Kleiber-Nistkasten im Garten:

  • Höhlenbrüter-Nistkasten
  • Einflugloch: 35mm
  • Höhe: ab 3 Meter
  • Ausrichtung: Süden bis Osten

 

Das war es erst einmal mit unserem Kleiber-Steckbrief. Wir hoffen, Sie haben gelernt, wie Sie den Kleiber anlocken und in Ihrem Garten unterstützen können.

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